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Den
Menschen im Alter fehlt Zuwendung, nicht Betreuung |
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| KONZEPT
Der Verein "Alte Löwen" setzt sich dafür ein, dass Vermieter
einen kostenlosen Service-Manager einstellen. Er hilft und berät. |
Statistiken
sind nicht immer sehr aussagekräftig, aber manche Zahlen sprechen
doch für sich. Sie sind beunruhigend. So leben in Düsseldorf
momentan rund 100.000 Menschen im Alter über 65, fast 50.000 von ihnen
sind 75 Jahre und älter. In Düsseldorfer Altenheimen gibt es
rund 5.000 Plätze, betreute Wohnungen in Anlagen etwa 1.500 und ungefähr
40 seniorengerechte Einzelwohnungen. Also: Auf 100.000 Einwohner über
60 kommen 6.500 "betreute" Wohnungen bzw. Heimplätze.
Und
was ist mit den anderen, von denen es in Zukunft ja immer mehr geben wird?
Das ist genau der Ansatz von Frajo Göbel und seinen Mitstreitern von
den "Alten Löwen". Sie gehen davon aus, dass die Menschen auch im
hohen Alter möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben
wollen. Denen fehle es nicht an Betreuung, sondern an menschlicher Zuwendung.
Die WZ hat den ehemaligen Sozial- und Sportdezernenten der Stadt nach dem
Konzept gefragt, das die Alten Löwen entwickelt haben.
"Die
Krise im Alter wird die Einsamkeit sein."
| Frajo Göbel, Vorsitzender
des Hilfevereins "Alte Löwen" |
Herr
Göbel, was genau ist der "Servicedienst Wohnen im Alter"?
Göbel:
Es ist zunächst mal so, dass die bisherigen Versorgungs- und Betreuungsdienste
nicht auseichen. Der Trend geht zurück in die Stadt. Ich allein kenne
drei Leute zwischen 70 und 75 Jahren, die vom Land in die Stadt ziehen.
Das erste Ziel ist, in der eigenen Wohnung zu leben. Selbst Leute, die
zu Hause ambulant gepflegt werden, wollen später nicht ins Heim, sondern
zu Hause bleiben. Die Hilfe aus Familien geht zurück, Kinder und Schwiegertöchter
und -söhne arbeiten entweder - oder es gibt sie nicht. Die Krise im
Alter wird die Einsamkeit sein, die Hälfte der 60-Jährigen lebt
allein, darauf ist das System nicht ausgerichtet. Es geht uns um mehr als
Betreuung, es geht um Gespräche und Zuwendung und Vermittlung von
Hilfen.
Es geht nicht um soziale Dienste, sondern um Menschen, die zu den Bewohnern
gehen und mit ihnen sprechen. Wir nennen das Service-Manager. Der besucht
die alten Leutchen und fragt, ob sie etwas brauchen, hilft beim Einkaufen,
hängt vielleicht mal eine Gardine auf. Die Pflege ist nicht das Problem,
es geht um alltägliche Dinge. Das muss kein Vollzeit-Job sein. Zu
finanzieren wäre das von den Wohnungsgesellschaften, auf jeden Fall
muss das für die Bewohner kostenlos sein.
Wie sind
die "Alten Löwen" auf das Thema gekommen?
Göbel:
Wir sitzen im Seniorenzentrum Am Gallberg, besorgen Finanzmittel und organisieren
Gruppen-Urlaube für die Altenheim-Bewohner. Leute aus der Senioren-Wohnanlage
daneben haben uns gefragt, ob wir uns nicht auch um sie |
kümmern
könnten. Wir haben 2006 Am Gallberg eine Befragung gemacht und nach
dem Hauptproblem gefragt. Ergebnis: In erster Linie sind das Hausmeisterdienste,
solche Sachen wie das erwähnte Gardinen aufhängen etwa. Sie Städtische
Wohnungsgesellschaft hat zusammen mit der Zukunftswerkstatt auf dieser
Grundlage ihr Modell der "Alltags-Assistenten" vorgestellt. Unser Modell
sieht aber vor, dass die Kontaktaufnahme kostenlos ist für die alten
Menschen.
Wie klappt
denn die Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft?
Göbel:
Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Düsseldorf ist ja relativ entspannt.
"Wichtig
ist: Der Kontakt zum Service-Manager muss für die Mieter kostenlos
sein."
| Frajo Göbel, Vorsitzender
"Alte Löwen" |
Man
wird in Zukunft nur noch gut vermieten können, wenn es Serviceleistungen
der Wohnungswirtschaft gibt. Die Leute wollen Ersatz-Dienstleistungen für
die Familie. Auf uns sind inzwischen zwei Gesellschaften zugekommen: die
Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft eG und der Eisenbahner-Bauverein
eG, der 3.000 Wohneinheiten mit Menschen über 60 erhält. Die
beiden Gesellschaften befragen derzeit ihre Mieter. Wenn das Ergebnis vorliegt,
werden wir verhandeln. Man wird sehen, wie es weitergeht, ob die Gesellschaften
den Dienst selbst anbieten oder damit jemanden beauftragen wollen. Wichtig
ist: Der Kontakt selbst muss für die Mieter kostenlos sein. Der nächste
schwere Schritt wird sein, an die privaten Eigentümer heranzukommen.
Dafür haben wir Kontakt zu Haus und Grund aufgenommen.
"Helfen
macht ja auch Spaß."
| Frajo Göbel, Vorsitzender
"Alte Löwen" und ehemaliger Sozialdezernent der Stadt Düsseldorf |
Ist
auch an eine Zusammenarbeit mit der Stadt gedacht?
Göbel:
Wir haben das Thema einmal im Wohnungs-Arbeitskreis des Seniorenbeirates
vorgestellt, viel mehr aber auch nicht. Uns geht es um die Sache, wir sind
unabhängig und frei von Träger-Interessen. Schließlich
macht Helfen ja auch Spaß.
Sie sind
jetzt 63. Wie planen Sie fürs eigene Alter?
Göbel:
Spannende Frage. Ich bleibe mit meiner Frau auf jeden Fall in der Großstadt
Düsseldorf. Außerdem pflege ich intensiv Freundschaften seit
vier, fünf Jahren, da hab' ich mich früher nicht so drum gekümmert.
Mit meinen Kindern habe ich gesprochen, wer Entscheidungen trifft, wenn
es nötig sein sollte. Meine Tochter ist 32 und wohnt wieder in Düsseldorf,
die organisiert dann Hilfe. Und: Den Rest habe ich in einer Patienten-Verfügung
geregelt.
Von Peter Littek / WZ,
02.07.2007 |

DIE
ALTEN LÖWEN
VEREIN Der
Verein "Alte Löwen - Hilfe für die Ältesten in Düsseldorf"
hat rund 90 fördernde Mitglieder. Er will mit einfachen Dingen das
Leben der Ältesten ein wenig leichter machen - aus der Zeitung vorlesen,
ein Ausflug mit Begleitung, ein Nachmittag mit Kindergarten-Kindern. Die
Löwen organisieren Dinge, die von der Pflegeversicherung nicht zu
leisten sind. In den Seniorenzentren am Gallberg und Benrath liegt der
Schwerpunkt der Förderung.
BERATUNG Ausbauen
will der Verein die immer wichtiger werdende Beratung und Hilfe für
Angehörige älterer Menschen, die noch zu Hause wohnen. Dem dient
auch der "Servicedienst Wohnen im Alter."
KONZEPT Es
gibt fünf Module: Kontaktpflege mit Hochbetagten, Vermittlung von
medizinischen Diensten, Zusammenarbeit mit Verbänden, Kirchen, Vereinen
zur Nutzung kultureller, sozialer und pflegerischer Angebote, Aufbau von
sozialen Netzen, Installation eines Notruf-Systems (Drittanbieter), das
bei Bedarf Sicherheit für Bewohner und Vermieter ermöglicht.
Basis des Konzeptes ist der Service-Manager. |

FRANZ-JOSEF
"FRAJO" GÖBEL
WERDEGANG Franz-Josef
Göbel ist 63 Jahre alt und wird von allen immer nur "Frajo" genannt.
Göbel hat nach der Schule eine Maschinenbau-Ausbildung gemacht, später
wechselte er ins "Sozialfach", wie er selbst sagt. Im Verband der Stahlindustrie
war er danach für die Koordinierung der Berufsbildungsmaßnahmen
zuständig. Ende der 70er-Jahre wurde er stellvertretender Geschäftsführer
der Arbeiterwohlfahrt (Awo).
POLITISCHES Im
Jahr 1992 wurde Frajo Göbel zum Geschäftsführer der SPD-Fraktion
im Düsseldorfer Stadtrat gewählt. Ab 1998 übernahm er das
Amt des Sozial- Jugend- und Sportdezernenten. Nach einer längeren
Krankengeschichte (unter anderem "Burnout-Syndrom") ging Göbel im
Jahr 2003 in Pension.
PERSÖNLICHES Göbel
ist mit Gudrun Großer-Göbel verheiratet, der Bezirksvorsteherin
im Stadtbezirk 2 (Flingern). Die beiden haben zwei Kinder, einen Sohn (37)
und eine Tochter (32). Göbel hat zwei Hobbys: Krimis lesen und Motorrad
fahren. Zu dem Zweck ist er auch Mitglied im "Düsseldofer Biker-Club",
den er 2000 mitbegründet hat und dessen "Präses" er ist. |
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