Noch blicken
die betagten Menschen des Seniorenzentrums Gallberg auf eine große
Wiese, die dem Zentrum längst nicht mehr gehört. Die Wiese ist
für eine Einfamilienhaus-Siedlung gedacht, ein Plan, dessen Verwirklichung
inzwischen ins Stocken geraten ist. Der Grund dafür ist ebenso unklar
wie die Antwort auf die Frage, was mit dem Seniorenzentrum selbst geschieht.
Wird es verkauft? Kommt es zur Hospitalstraße oder zum Gerresheimer
Krankenhaus? Die Fakten:
Kliniken
und Seniorenzentren der Landeshauptstadt Düsseldorf nennt sich
die gemeinnützige GmbH, der die Seniorenzentren Benrath und Gallberg
gehören. Benrath erhält einen Neubau mit 100 Plätzen und
war bisher im alten Benrather Krankenhaus an der Hospitalstraße zur
Miete untergebracht.
Das
Seniorenzentrum
Gallberg wurde 1978 errichtet. Es beherbergt 209 alte Menschen, darunter
zu 80 Prozent Demenzkranke, von denen wiederum 65 Personen so schwer erkrankt
sind, dass sie in einem geschlossenen Trakt mit eigenem Garten versorgt
werden. 17 Prozent dieser Heim-Insassen haben keine Angehörigen oder
keinen Kontakt mehr zu ihnen. Nach den Worten von Horst Imdahl, Geschäftsführer
des Gerresheimer Krankenhauses, zu dem der Gallberg gehört, ist das
Altenzentrum gut belegt und eine der wenigen Einrichtungen, die sich alten
Demenzkranken widmen, in guter und enger Kooperation zur Rheinischen Landesklinik.
Das
Gerresheimer
Krankenhaus ist 1971 in Betrieb gegangen, es muss saniert werden. Die
Sanierung beziffert Imdahl auf 40 Millionen Euro. Zwar sind die Pläne
noch nicht konkret, aber es soll in einem ersten Schritt die alte Kinderklinik
abgerissen und dafür ein Entlastungsbau errichtet werden, der die
Funktionen des Altbaus übernimmt. Nach Abriss des Altbaus ist Platz
für die Sanierung des alten Bestandes.
Investoren
kommen vor allem aus Bayern
Dieter Akens,
Leiter der Senioreneinrichtung, sieht die Zukunft ganz nüchtern: "Das
Haus |
am Gallberg
kann im gegenwärtigen Zustand zwar weiter genutzt werden, aber man
muss einen Ersatzneubau planen, der auf dem Gelände des Gerresheimer
Krankenhauses liegt. Auf dem freien Grundstück hinter der Kinderklinik
könnten wir sofort anfangen zu bauen." Die Vorteile sieht Akens so:
"Der Komplex mit dem Schwerpunkt der Demenzkranken läge dann neben
dem Gerresheimer Krankenhaus. Es gäbe eine ortsnahe Versorgung für
ganz Gerresheim." Für Akens steht fest: "Der Neubau ist mit knapp
8 Millionen Euro für 100 Plätze fast so teuer wie der Umbau auf
dem alten Gelände." Nur: Dort gibt es 209 Plätze.
Die
Stadt Düsseldorf sucht, wie die Westdeutsche Zeitung berichtete, einen
privaten
Krankenhaus-Partner, der sich mit 51 Prozent an der Kliniken- und Seniorenzentren
gGmbH beteiligt. Er soll eine Investitions-Zusage geben. Imdahl spricht
von einem "großen Interesse privater, sogar börsennotierte Träger
aus München und aus Neustadt an der Saale". Die Stadtverwaltung hat
inzwischen einen Berater auserkoren, der sie bei ihren Projekten
begleitet, es ist eine Tochtergesellschaft der Hamburg-Schleswig-Holsteinischen
Landesbank.
Auf
der Wiese vor dem Eingang zum Seniorenzentrum Gallberg waren 50 Einfamilienhäuser
geplant.
Die CDU im Gerresheimer Rathaus verwarf den Plan,weil die Parzellen zu
klein seien. Insider meinen, dieser Grund sei vorgeschoben. Möglicherweise
will man einem Investor freie Hand lassen, ob er mit der Gallberg-Immobilie
die Wiese gleich mit entwickeln will.
Am
1. September widmet sich der Aufsichtsrat dem Seniorenzentrum Gallberg.
Geschäftsführer Horst Imdahl will darlegen: Von den 209 Betten
sind das Gros Zwei-Bett-Zimmer, nach den neuen Vorschriften müssen
jedoch 80 Prozent der Zimmer Ein-Bett-Zimmer sein. Auf lange Sicht wird
also die Bettenzahl des Altenzentrums reduziert. Es ist nicht mehr zeitgemäß.
WZ, 1. August
2006 |