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Haltestelle, an der kein Bus hält
Weil das Warten auf den Bus auf Demenzkranke beruhigend wirken kann, hat die Rheinbahn auf dem Gelände des Benrather Seniorenzentrums eine Phantom-Haltestelle eingerichtet.
Haltestelle, an der kein Bus hält Warten auf den Bus, der niemals kommen wird. Die Haltestelle vor dem Seniorenzentrum an der Kolhagenstraße soll Demenzkranken als "Erinnerungsbrücke" dienen und verhindern, dass sie sich verirren.
RP-Foto:Christoph Göttert
Rheinbahnsprecher Georg Schumacher gibt zu, dass er im ersten Moment etwas gestutzt hat, als er die Anfrage nach der "Phantomhaltestelle" an das Nahverkehrsunternehmen herangetragen wurde. Wozu braucht man eine Bushaltestelle, von der niemals ein Bus abfährt? So lautet die Frage. "Aber wenn man mal kurz darüber nachdenkt, macht es in diesem Falle sogar Sinn", erzählt Schumacher. Und dieser Fall sind die Seniorenzentren Am Gallberg und Benrath an der Kolhagenstraße.
"80 Prozent unserer Bewohner sind an Demenz erkrankt. Es passiert immer wieder, dass einer von ihnen nach Hause möchte. Also dahin, wo er früher einmal gelebt hat", erzählt der Leiter des Seniorenzentrums Richard Neureither. Oder sie wollen die Kinder vom Bus abholen, oder selbst zur Arbeit fahren. Dann muss oft genug die Polizei eingeschaltet werden, um die verwirrten "Heimgänger" wieder "einzufangen". Bis nach Ratingen schaffte es ein Benrather Demenzpatient bereits. "Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist er quer durch Düsseldorf gefahren", so Neureither. Mit Gewalt den Weg in die Vergangenheit des Patienten zu unterbinden, ist keine Lösung. Den Demenzpatienten wird  ihr Wille gelassen. "Die Leute zu überreden bringt nichts. Sie leben in ihrer Welt", so Neureither.
Und genau da kommt jetzt die "Phantomhaltestelle" an der Kolhagenstraße ins Spiel. Die Mitarbeiter können jetzt die Patienten zum Bus begleiten, sie beruhigen. Wenig später kann den Wartenden erklärt werden, dass der Bus erst in zehn Minuten kommt und sie doch noch einen Kaffee im Gebäude trinken könnten. "Ablenkung, sie auf andere Sachen aufmerksam machen, ist häufig das Beste. Dann haben die Heimbewohner auch schnell ihr Bedürfnis, 
nach Hause zu gehen, vergessen", so Neureither. 
Die Initiative zu der "Phantomhaltestelle" ging von den "Alten Löwen", einem Förderverein zur Hilfe für die Ältesten in Düsseldorf, aus. "Wir haben diese Idee irgendwo aufgeschnappt und sie der Heimleitung vorgeschlagen. Schnell war klar, dass wir das umsetzen", erläutert "Alte-Löwen-Vorsitzender" Franz-Josef Göbel. Damit es auch möglichst authentisch ist, stieg die Rheinbahn mit ein. Das große grüne H auf dem gelben Grund kennen Demenzkranke von früher. "Wenn auch nur einer an der Haltestelle sitzen bleibt und wir nicht die Polizei holen müssen, hat es sich schon gelohnt", so Neureither. Gerüchten, dass die "Phantomhaltestelle" jetzt das neue Geschäftsmodell der Rheinbahn ist, trat Schumacher glaubhaft entgegen.
 
INFO
Demenz
EineDemenz (lat. dementia "ohne Geist") ist ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, die zu einer Beeinträchtigung von sozialen und beruflichen Funktionen führen. Am Anfang der Erkrankung stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit, dagegen ist das Langzeitgedächtnis noch länger aktiv. Die Folge: Menschen mit Demenzerkrankungen leben in einer längst vergangenen Zeit. Bei Fragen zu Demenzerkrankungen erteilt das Demenz-Servicezentrum in den Räumen des Pflegebüros, Kölner Straße 186, Telefon 8 92 22 28, email: demenz-servicezentrum@stadt.duesseldorf.de, www.duesseldorf.de/demenz, Auskunft.

Rheinische Post, 15. Februar 2008

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