Franz-Josef
Göbel ist klar, dass das „große Ziel nur mit Pioniergeist zu
erreichen“ ist. Trotzdem haben die „Alten Löwen“ und ihr Vorsitzender
das Lebensberatungsprojekt „Älter werden und wohnen bleiben“ gestartet.
Erreicht werden soll, dass Senioren möglichst lange in den eigenen
Wänden bleiben können. „Alte Menschen gehören in die Mitte
der Stadtgesellschaft“, so Göbel. Als Kooperationspartner gewann der
Förderverein, der „Hilfe für die Ältesten“ leistet, den
Eisenbahner-Bauverein (EBV) mit einem Bestand von 2200 Wohnungen und die
Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft (DWG) mit 7000.
Kostenlose Gespräche
Die
Partner bieten für alle Mieter, die älter als 60 Jahre sind,
eine Beratung an. Dabei wird über Themen wie Barrierefreiheit der
Wohnung gesprochen. Das Besondere: Die Gespräche sind kostenlos. „Eine
Beratung gegen Gebühr nutzt keiner“, lautet Göbels simple Erklärung.
Dass der Bedarf an Informationen und altengerechtem Wohnraum da ist, habe
eine Umfrage im Vorfeld ergeben. Allein von den betroffenen 900 Mietern
des EBV hätten rund 300 bei der Befragung mitgemacht. Und die Nachfrage
steige.
„Altsein
wird zum Normalsein. Wir haben 50000 Bürger, die älter als 75
Jahre sind. Diese Zahl wird sich verdreifachen“, sagt der Vorsitzende.
Klar sei längst, dass es zu |
wenige seniorengerechte
Wohnmöglichkeiten gebe. „Außerdem wird die Pflege durch die
Familie weniger. Es gibt generell nicht mehr so viele Kinder und die sind
häufig durch den Beruf eingespannt“, erklärt Göbel.
Für
die Beratung haben die Partner die Diplom-Sozialarbeiterin Birgitt Gödecker-Sander
und den Kaufmann Karl-Hans Gräwe eingestellt. Der bezeichnet seine
Aufgabe als „aktive Sozialhilfe“: „Wir kommen zu den Menschen. Ein solches
Angebot ist bisher einmalig.“ Und unterstützenswert, findet EBV-Vorstand
Udo Bartsch: „Die Löwen helfen den Menschen und sind nicht auf Geld
aus. Dazu leisten wir einen Beitrag und unterstützen das Projekt.“
Aus seiner Sicht soll die Beratung beim Bauverein zur Dauereinrichtung
werden.
Dass
noch mehr Wohnungsgenossenschaften wie die EBV denken, hofft der Chef der
„Alten Löwen“: „Wir wünschen uns Nachahmer. Dann müsste
aber auch über weitere Stellen und deren Finanzierung gesprochen werden.“
Bereits
in der Planung ist ein flankierendes Projekt zur aktuellen Arbeit. Dabei
sollen Nachbarn für ältere Menschen mit einkaufen oder sich Zeit
für eine Tasse Kaffee nehmen. Göbel: „Für die Startphase
haben wir bereits Gelder bei einer Stiftung beantragt.“
NRZ, 22. Mai
2008 |