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Kein Bus wird kommen
Kein Bus wird kommen DEMENZ. Zwei Seniorenzentren stellten gestern ihre neuen "Phantom-Haltestellen" vor. Sie wurden für verwirrte alte Menschen eingerichtet, die immer wieder weglaufen wollen - und dort Halt machen.
 
 
 
 

Warten, um erst mal zur Ruhe zu kommen -
für Demenzkranke ein Halt vor dem Weglaufen.
NRZ-Foto:Daniel Roth

Sonderfahrten steht in roten Buchstaben auf dem Haltestellenschild vor dem Seniorenzentrum in Benrath. Doch weder Busse noch Bahnen werden je an dieser Stelle Halt machen. Vielmehr soll der Ort demenzkranken Heimbewohnern buchstäblich einen Halt geben - sie am Weglaufen hindern. Richard Neureither vom Seniorenzentrum Benrath nennt die Phantomhaltestelle ein "Schlüsselsymbol". Denn Schlüsselreize seien oft das Einzige, was Demenzkranken bliebe.
Sandra Kirchner vom Haus Gallberg freut sich, dass der Verein "Alte Löwen" die Idee zu den beiden Phantomhaltestellen hatte. Seit gut zwei Wochen steht eine in Benrath und die andere vor dem Zentrum in Ludenberg. "Demenzkranke haben einen gesteigerten Bewegungsdrang", erklärt die Heimleiterin Kirchner. Da die Patienten aber in der Regel nur noch auf ihr Langzeitgedächtnis bauen können, wissen sie häufig nicht, warum sie überhaupt im Seniorenzentrum sind. "Dann laufen sie durchs ganze Haus, suchen den Ausgang, weil sie doch hier gar nicht her gehörten und jetzt schnell nach Hause müssten, um das Essen pünktlich auf dem Tisch zu haben", beschreibt Kirchner eine Szene, wie sie im Haus Gallberg häufig erlebt werden kann.
Patienten in
ihrer Welt abholen
Deshalb betrachtet Kirchner die Phantomhaltestelle auch als Vorbeugung gegen das Weglaufen. Denn das tun im 
Schnitt zwei der 209 Bewohner der Einrichtung in Ludenberg pro Monat: weglaufen. Bis die Polizei sie findet und wieder zurück bringt. Das Haltestellenschild
vor dem Zentrurn soll ab jetzt helfen, den Patienten solche Erlebnisse zu ersparen.
"Bewohner, die aufgrund ihrer Demenz unbedingt von hier weg wollen, können wir nun auf die Bank neben der Haltestelle setzen und ihnen sagen, hier könnten sie auf den Bus
warten", erklärt Kirchner. Was sich zunächst wie ein schlechter Scherz anhört, dient jedoch dem Pflegepersonal als therapeutisches Mittel, ihre SchützIinge zur Ruhe kommen zu lassen. Denn: "Man muss die Leute in ihrer Welt abholen", sagt Sandra Kirchner. Und die Bewohner dieser Welt wissen wenige Minuten, nachdem sie sich auf eine Bank gesetzt haben, nicht mehr, warum sie da sitzen.
 
ZAHLEN & FAKTEN
InDüsseldorf sind ungefähr 8000 Menschen von einer mittelschweren bis schweren Demenz betroffen. Hinzu kommt eine nicht näher bekannte Anzahl von Betroffenen, die im Frühstadium der Krankheit sind.
Die Senioren- und Pflegeheime der Stadt geben an, dass in der Regel zwischen 50 und 80 Prozent ihrer Bewohner dement sind. Die am häufigsten auftretende Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.

NRZ, 15. Februar 2008

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