Sonderfahrten
steht in roten Buchstaben auf dem Haltestellenschild vor dem Seniorenzentrum
in Benrath. Doch weder Busse noch Bahnen werden je an dieser Stelle Halt
machen. Vielmehr soll der Ort demenzkranken Heimbewohnern buchstäblich
einen Halt geben - sie am Weglaufen hindern. Richard Neureither vom Seniorenzentrum
Benrath nennt die Phantomhaltestelle ein "Schlüsselsymbol". Denn Schlüsselreize
seien oft das Einzige, was Demenzkranken bliebe.
Sandra
Kirchner vom Haus Gallberg freut sich, dass der Verein "Alte Löwen"
die Idee zu den beiden Phantomhaltestellen hatte. Seit gut zwei Wochen
steht eine in Benrath und die andere vor dem Zentrum in Ludenberg. "Demenzkranke
haben einen gesteigerten Bewegungsdrang", erklärt die Heimleiterin
Kirchner. Da die Patienten aber in der Regel nur noch auf ihr Langzeitgedächtnis
bauen können, wissen sie häufig nicht, warum sie überhaupt
im Seniorenzentrum sind. "Dann laufen sie durchs ganze Haus, suchen den
Ausgang, weil sie doch hier gar nicht her gehörten und jetzt schnell
nach Hause müssten, um das Essen pünktlich auf dem Tisch zu haben",
beschreibt Kirchner eine Szene, wie sie im Haus Gallberg häufig erlebt
werden kann.
Patienten in
ihrer Welt abholen
Deshalb
betrachtet Kirchner die Phantomhaltestelle auch als Vorbeugung gegen das
Weglaufen. Denn das tun im |
Schnitt zwei
der 209 Bewohner der Einrichtung in Ludenberg pro Monat: weglaufen. Bis
die Polizei sie findet und wieder zurück bringt. Das Haltestellenschild
vor dem Zentrurn soll ab
jetzt helfen, den Patienten solche Erlebnisse zu ersparen.
"Bewohner,
die aufgrund ihrer Demenz unbedingt von hier weg wollen, können wir
nun auf die Bank neben der Haltestelle setzen und ihnen sagen, hier könnten
sie auf den Bus
warten", erklärt Kirchner.
Was sich zunächst wie ein schlechter Scherz anhört, dient jedoch
dem Pflegepersonal als therapeutisches Mittel, ihre SchützIinge zur
Ruhe kommen zu lassen. Denn: "Man muss die Leute in ihrer Welt abholen",
sagt Sandra Kirchner. Und die Bewohner dieser Welt wissen wenige Minuten,
nachdem sie sich auf eine Bank gesetzt haben, nicht mehr, warum sie da
sitzen.
ZAHLEN
& FAKTEN
In Düsseldorf
sind ungefähr 8000 Menschen von einer mittelschweren bis schweren
Demenz betroffen. Hinzu kommt eine nicht näher bekannte Anzahl von
Betroffenen, die im Frühstadium der Krankheit sind.
Die
Senioren- und Pflegeheime der Stadt geben an, dass in der Regel zwischen
50 und 80 Prozent ihrer Bewohner dement sind. Die am häufigsten auftretende
Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. |
NRZ, 15. Februar
2008 |