"Seniorenzentrum
Benrath" steht auf dem Haltestellenschild. Darunter: "Sonderfahrten". Die
Ortsangabe stimmt, alles andere ist ein Versuch. Die Mitarbeiter und Betreuer
der Einrichtung auf der Kolhagenstraße wollen Demenzerkrankte vom
Weglaufen abhalten - mit einer Busstation, an der niemals ein Wagen hält.
Die
Patienten leiden unter dem Verfall ihrer geistigen Leistungsfähigkeit",
sagt Richard Neureither, Pflegedienstleiter in Benrath. "Man vergisst stetig
Teile seines Lebens." Das Kurzzeitgedächtnis funktioniert kaum noch,
Langzeit-Erinnerungen bleiben dagegen länger aktiv. Die Patienten
entwickeln Flucht-Tendenzen, verlassen die Klinik, gesteuert von Bildern
aus ihrem früheren Leben. "Viele Demenzpatienten wollen einfach nach
Hause", sagt Sandra Kirchner, Leiterin der Senioreneinrichtung am Gallberg,
die ebenfalls mit der Haltestelle operiert. "Die möchten dort Essen
kochen oder die Kinder von der Schule abholen." Die Busstation soll dem
Betreuungspersonal eine Handhabe liefern, die Kranken zu stoppen. Neureither: |
"Wir arbeiten
hier nur mit Bildern und Symbolen. Die Haltestelle ist für die jetzige
Generation der Erkrankten ein Schlüsselreiz. Schließlich hatten
die wenigsten damals ein Auto, fuhren eher Bus oder Bahn." So ist der Satz
"Setzen Sie sich, der Bus kommt erst in 10 Minuten" eine Möglichkeit,
die Patienten vom Weiterlaufen abzuhalten. Festhalten könnte man sie
ohnehin nicht, "Wir sind", so Neureither, "eine offene Einrichtung." Rund
80 Prozent der 100 Patienten in Benrath sind demenzerkrankt. Ein- bis zweimal
im Monat entwischt ein Patient, die Polizei muss eingeschaltet werden.
"Wir haben hier bereits vorgedruckte Fax-Formulare, die wir einfach an
die nächste Dienststelle schicken", so Neureither. Ex-Ratsherr Franz-Josef
Göbel hofft auf Besserung durch die Busstation. Als Mitglied der "Alten
Löwen", dem Freundeskreis des Benrather Seniorenzentrums, ist er Mit-Initiator
der Aktion: "Wir sind uns sicher, dass eine Phantom-Haltestelle mitunter
besser wirkt als Medikamente."
Düsseldorfer Anzeiger,
27. Februar 2008 |