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Warten an der Phantom-Haltestelle
Die Busstationen zweier Düsseldorfer Senioreneinrichtungen werden niemals angefahren
Warten an der Phantom-Haltestelle Haltestellen-Initiatoren Franz-Josef Göbel, Sandra Kirchner, Rheinbahnsprecher Georg Schumacher und Richard Neureither (v. l.) - "Wir setzen einen Schlüsselreiz".
Foto:SP
"Seniorenzentrum Benrath" steht auf dem Haltestellenschild. Darunter: "Sonderfahrten". Die Ortsangabe stimmt, alles andere ist ein Versuch. Die Mitarbeiter und Betreuer der Einrichtung auf der Kolhagenstraße wollen Demenzerkrankte vom Weglaufen abhalten - mit einer Busstation, an der niemals ein Wagen hält.
Die Patienten leiden unter dem Verfall ihrer geistigen Leistungsfähigkeit", sagt Richard Neureither, Pflegedienstleiter in Benrath. "Man vergisst stetig Teile seines Lebens." Das Kurzzeitgedächtnis funktioniert kaum noch, Langzeit-Erinnerungen bleiben dagegen länger aktiv. Die Patienten entwickeln Flucht-Tendenzen, verlassen die Klinik, gesteuert von Bildern aus ihrem früheren Leben. "Viele Demenzpatienten wollen einfach nach Hause", sagt Sandra Kirchner, Leiterin der Senioreneinrichtung am Gallberg, die ebenfalls mit der Haltestelle operiert. "Die möchten dort Essen kochen oder die Kinder von der Schule abholen." Die Busstation soll dem Betreuungspersonal eine Handhabe liefern, die Kranken zu stoppen. Neureither: 
"Wir arbeiten hier nur mit Bildern und Symbolen. Die Haltestelle ist für die jetzige Generation der Erkrankten ein Schlüsselreiz. Schließlich hatten die wenigsten damals ein Auto, fuhren eher Bus oder Bahn." So ist der Satz "Setzen Sie sich, der Bus kommt erst in 10 Minuten" eine Möglichkeit, die Patienten vom Weiterlaufen abzuhalten. Festhalten könnte man sie ohnehin nicht, "Wir sind", so Neureither, "eine offene Einrichtung." Rund 80 Prozent der 100 Patienten in Benrath sind demenzerkrankt. Ein- bis zweimal im Monat entwischt ein Patient, die Polizei muss eingeschaltet werden. "Wir haben hier bereits vorgedruckte Fax-Formulare, die wir einfach an die nächste Dienststelle schicken", so Neureither. Ex-Ratsherr Franz-Josef Göbel hofft auf Besserung durch die Busstation. Als Mitglied der "Alten Löwen", dem Freundeskreis des Benrather Seniorenzentrums, ist er Mit-Initiator der Aktion: "Wir sind uns sicher, dass eine Phantom-Haltestelle mitunter besser wirkt als Medikamente."

Düsseldorfer Anzeiger, 27. Februar 2008

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